Selbstverständnis

*Was wir sehen*

In die Notaufnahme kommt eine junge Frau. Es ist eigentlich schon zu spät, vor zwei Tagen war der Unfall. Doch die Angst vor einer Abschiebung als Illegalisierte war größer als der Schmerz.

Herr J. erhält ein künstliches Hüftgelenk, eigentlich ist es nicht nötig, aber die Chefärztin will es so. Hat sie vielleicht in ihrem Vertrag mit dem Krankenhausmanagement eine Steigerung der Fallzahlen vereinbart?

“Keine Bange!”, sagt die Pflegekraft zu den Eltern, als deren Kind in den Operationssaal geschoben wird. Die Ärzt*innen bauen ihm ein neues Genital, weil das Alte in ihren Augen nicht eindeutig genug das Geschlecht definierte.

Eine Frau wird vergewaltigt. In zwei Kliniken in kirchlicher Trägerschaft wird sie nicht behandelt, weil ihr eventuell die “Pille danach” verschrieben werden müsste, was angeblich der christlichen Moral widerspricht.

*Was wir wollen*

Ist Gesundheit politisch? Ist Gesundheit ökonomisiert? Beeinflussen Definitionen von Gesundheit und Krankheit die gesellschaftliche Realität?

Im Krankenhaus sind wir – wie überall in der Gesellschaft – mit Herrschaftsverhältnissen wie Rassismus, Sexismus und sozialer Ausgrenzung konfrontiert. Hiermit kritisch umzugehen und zu hinterfragen, wo sich diese Einflüsse im Gesundheitssystem finden und wie das Gesundheitssystem auf diese Herrschaftsverhältnisse wirkt, ist unser Ziel.

In diesem Sinne setzen wir uns für ein solidarisches Gesundheitssystem ein, das allen Menschen entsprechend ihren Bedürfnisse eine gleichwertige medizinische Behandlung auf dem Stand aktueller wissenschaftlicher Erkenntnis ermöglicht. Diese Ziele sind untrennbar mit der Forderung nach demokratischen Entscheidungsstrukturen sowie sozialen und gerechten Arbeitsbedingungen für alle Beschäftigten im Gesundheitswesen verbunden.

Denn es soll uns allen gut gehen!

*Wer wir sind*

Die kritischen Mediziner*innen Freiburg sind eine offene Gruppe, die sich für eine soziale Medizin und ein solidarisches und demokratisches Gesundheitswesen einsetzt.

Wir treffen uns regelmäßig alle zwei Wochen um über gesundheitspolitische Themen zu diskutieren. Zudem veranstalten wir in losen Abständen öffentliche Veranstaltungen zu gesundheitspolitischen Fragestellungen und arbeiten in Bündnissen mit Gruppen zusammen, die ähnliche Interessen vertreten.
Wir sind offen für alle Interessierten, unabhängig davon, ob sie im medizinischen Bereich tätig sind.

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